Menschen sehen
Sich selbst sehen um andere sehen zu können.
…den Nebel auflösen… Deine wahre Natur wieder entdecken
Zwei Mönche
Zwei Mönche waren auf der Wanderschaft. Eines Tages kamen sie an einen Fluss.
Dort stand eine junge Frau mit wunderschönen Kleidern. Offenbar wollte sie über den Fluss, doch da das Wasser sehr tief war, konnte sie den Fluss nicht durchqueren, ohne ihre Kleider zu beschädigen.
Ohne zu zögern ging einer der Mönche auf die Frau zu, hob sie auf seine Schultern und watete mit ihr durch das Wasser. Auf der anderen Flussseite setzte er sie trocken ab.
Nachdem der andere Mönch auch durch den Fluss gewatet war, setzten die beiden ihre Wanderung fort.
Nach etwa einer Stunde fing der eine Mönch an, den anderen zu kritisieren: “ Du weißt schon, dass das, was du getan hast, nicht richtig war, nicht wahr? Du weißt, wir dürfen keinen nahen Kontakt mit Frauen haben. Wie konntest du nur gegen diese Regel verstoßen?“
Der Mönch, der die Frau durch den Fluss getragen hatte, hörte sich die Vorwürfe des anderen ruhig an. Dann antwortete er: „Ich habe die Frau vor einer Stunde am Fluss abgesetzt – warum trägst du sie immer noch mit dir herum?“
(frei nacherzählt, The Wisdom of Zen Masters)
Kleine schwarze Federn
Einst hatte eine Frau über ihren alten Pfarrer eine hässliche Verleumdungsgeschichte aufgebracht, die schnell durch die ganze Gemeinde flog und weit über ihre Grenzen hin Unheil anrichtete. Als die Frau bald darauf schwer krank wurde, bereute und bekannte sie ihre Lügen. Nach ihrer Genesung ging sie zum Pfarrer und bat ihn um Verzeihung „Gewiss verzeihe ich dir gern“, sagte der alte Pfarrer freundlich, „aber weil du mir damals so weh getan hast, möchte ich dich jetzt um einen Gefallen bitten!“ „Gern“, rief die Frau erleichtert. „Geh heim und schlachte ein schwarzes Huhn und rupfe ihm alle Federn aus, auch die kleinsten, und verliere keine davon. Dann lege die Federn in einen Korb und bringe sie zu mir.“ Die Frau dachte, dass es sich um einen alten Brauch handele, und tat, wie ihr geheißen war. Nach kurzer Zeit kam sie mit dem Körbchen voller schwarzer Federn wieder zum Pfarrer. „So“, sagte dieser, Jetzt geh langsam durch das Dorf und streue alle drei Schritte ein wenig von den Federn aus und dann steige auf den Kirchturm, wo die Glocken hängen, und schütte den Rest dort oben auf das Dorf hinab. Dann komm wieder zu mir!“
Die Frau war nach einer Stunde wieder mit dem leeren Korb beim Pfarrer. „Schön“, meinte der freundlich, „jetzt gehe durch das Dorf und sammle alle die ausgestreuten Federn wieder in dein Körbchen, aber sieh zu, dass keines fehlt!“ Die Frau starrte den Pfarrer erschrocken an und sagte: „Das ist unmöglich! Der Wind hat die Federn in alle Richtungen zerstreut.“
„Siehst du, so ist es auch mit deinen bösen Worten gegangen. Wer kann sie wieder einsammeln und zurücknehmen und ihre Wirkung ungeschehen machen? Denke an die kleinen schwarzen Federn, bevor du Worte ausstreust!“
Schiffsmotor
oder: Warum Experten teuer und wichtig sind.
Es war einmal ein riesiges Schiff, das auf hoher See in Seenot geriet. Der Motor war kaputt und die Besatzung konnte ihn nicht reparieren. Sie riefen einen erfahrenen Maschineningenieur mit über 30 Jahren Erfahrung hinzu, der sich auf die Reparatur von Schiffsmotoren spezialisiert hatte und sich den Motor ansah.
Der Ingenieur untersuchte den Motor sorgfältig, von oben bis unten. Schließlich fand er die Ursache des Problems: Ein kleines Stück Metall war verbogen und blockierte einen Zylinder. Das hinderte den Motor daran, richtig zu laufen.
Der Ingenieur zog einen kleinen Hammer aus seiner Werkzeugtasche und klopfte sanft auf das Stück Metall. Es klang wie ein winziger Knall, aber das war alles, was nötig war. Der Motor sprang wieder an und das Schiff konnte seinen Weg fortsetzen.
Der Reeder des Schiffes war begeistert und erfreut, dass das Schiff so schnell repariert war, aber sie war auch überrascht über die Rechnung des Ingenieurs. Sie betrug 20.000 Dollar!
"Was?! Das ist viel zu viel für so wenig Arbeit!", sagte der Reeder. "Sie haben fast nichts getan. Geben Sie uns eine detaillierte Rechnung."
Der Ingenieur lächelte. "Der Hammerschlag kostete zwei Dollar", sagte er. "Die 19.998 Dollar waren für mein Wissen, wo ich klopfen musste und wie viel ich klopfen musste." Nach einigen Sekunden Stille fügte er hinzu: "Wenn ich oder irgendein anderer Fachmann einen Job heute in 30 Minuten erledigen kann, liegt es daran, dass wir 20 oder mehr Jahre damit verbracht haben, das in 30 oder mehr Minuten zu tun. Sie schulden mir die Jahre, nicht die Minuten."
Der Reeder verstand. Er erkannte, dass der Ingenieur nicht nur einen einfachen Reparaturjob erledigt hatte. Er hatte sein Fachwissen und seine Erfahrung eingebracht, um das Problem zu lösen.
Die Geschichte vom Holzfäller mit der stumpfen Säge
Ein Mann geht im Wald spazieren. Nach einer Weile sieht er einen Holzfäller, der intensiv und sehr angestrengt versucht, einen Baumstamm zu zersägen. Er stöhnt und schwitzt und hat offensichtlich viel Mühe mit seiner Arbeit.
Der Spaziergänger tritt etwas näher heran, erkennt schnell die Ursache und sagt zum Holzfäller: “Guten Tag. Ich sehe, dass Sie sich Ihre Arbeit unnötig schwer machen. Ihre Säge ist stumpf – warum schärfen Sie sie nicht?”
Der Holzfäller schaute nicht einmal hoch, sondern zischte nur durch die Zähne: “Ich habe keine Zeit, die Säge zu schärfen. Ich muss sägen!”